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Schuften für den Winterspaß im Naturpark Taunus


Hochtaunus (sth). Denkt Carolin Pfaff an den Winter vor einem Jahr zurück, spricht sie von einer „Herausforderung“. Damals wurde der märchenhaft verschneite Taunus von Ausflüglern förmlich überrannt; rund um den Großen Feldberg parkten die Autos bis tief in die umliegenden Ortschaften. „Anwohner mussten sich gegenüber der Polizei ausweisen, um zu ihren Häusern zu gelangen“, erinnert sich Pfaff. An einem Dienstagnachmittag Mitte Januar steuert Carolin Pfaff einen Van des Naturparks Taunus die Straße zum Großen Feldberg hinauf. Pfaff ist Försterin und stellvertretende Leiterin des Zweckverbands. Mit ihrem Team, darunter fünf Außendienstmitarbeiter, ist es ihre Aufgabe, das Gebiet des Naturparks in Schuss zu halten. Der Winter ist dabei ein echter Härtetest. Wegen der Corona-Beschränkungen kommen noch mehr Menschen in den Taunus als zuvor. Pfaff parkt das Fahrzeug auf dem Sandplacken, der Passhöhe zwischen Oberursel und Schmitten. Die Försterin zeigt auf den angehäuften Schnee in der Parkplatzmitte. Das regelmäßige Schneeräumen auf den etwa 100 Parkplätzen des Naturparks gehört im Winter zu einer der wichtigsten Aufgaben. Nach ein paar Schritten durch den Schneematsch erstreckt sich die Weite der Taunuslandschaft wie ein grün-braun-gewellter Teppich. Der Große Feldberg ist im Winter „weit und breit oft der einzige Ort, an dem Schnee liegt“, sagt Pfaff – entsprechend groß ist seine Anziehungskraft für Tagestouristen aus dem erweiterten Umland. Das Autokennzeichen „HG“ ist hier oben kaum zu entdecken. Ein Ansturm wie im vergangenen Winter sei bislang aber ausgeblieben. Lebensgefahr bei Schneebruch Manche der Winterfans düsen den Schlittenhang in Oberreifenberg hinunter, andere genießen einen ausgiebigen Winterspaziergang durch die verschneiten Wälder. Beliebt ist auch das Langlaufen. „Hier würde eigentlich eine Loipe entlangführen“, sagt Pfaff und deutet auf den Waldboden, wo sich wegen der Plusgrade der vergangenen Tage ein Gemisch aus Tauschnee und Wasser angesammelt hat. Sobald genug Schnee liegt und der Boden ausreichend gefroren ist, rücken die Außendienstmitarbeiter samt Traktor und Loipenspurgerät an Nicht nur der Tourismus, auch die naturbedingten Umstände stellen den Wald im Winter auf eine Belastungsprobe. Immer wieder zeigt Pfaff auf abgebrochene Bäume, die der Schneelast und den eisigen Temperaturen nicht standhalten konnten. Schneebruch könne im schlimmsten Fall zur lebensgefährlichen Gefahr werden. Vergangenes Jahr musste das Gebiet deshalb zeitweise gesperrt werden. Weiter unten, nahe des Taunus-Informationszentrums, krachte vor wenigen Tagen ein Baum auf eine Holzbrücke. Dem Erschaffer der Brücke, einem Mitarbeiter des Naturparks Taunus, „blutet natürlich das Herz“, sagt Pfaff. Auch die vielen Wanderer, die Richtung Feldberg laufen, müssen aktuell einen Umwegin Kauf nehmen. Reparaturarbeiten sind sie gewöhnt beim Naturpark häufig ist Vandalismus die Ursache. Beim Rundgang auf dem Feldbergplateau berichtet Pfaff, wie einmal die Infotafel am Brunhildisfelsen abgeschraubt und als Schlittenmissbraucht wurde: „Man fragt sich, wie Leute auf solche Ideen kommen.“ Sie sei froh, dass zunehmend mehr Menschen die Natur erkunden. Ärgerlich sei jedoch der viele Abfall, der in den Wäldern zurückgelassen wird. Im vergangenen Sommer sammelten Naturpark-Mitarbeiter pro Woche eine Tonne Müll ein. Um junge Waldbesucher zu sensibilisieren, will der Zweckverband künftig ein Projekt unterstützen, das derzeit geplant wird: Schüler sollen im Wald etwas über Umweltschutz und Biodiversität lernen, ihre Schulen werden dafür als „Naturpark-Schule“ ausgezeichnet. Den winterlichen Taunus entdecken, das geht auch auf einer der geführten Wanderungen, die der Naturpark anbietet. „Romantische Winterstimmung im Hintertaunus“ verspricht die für den 13. Februar geplante Tour, für die man sich online anmelden kann. Obendrein gibt’s Wissenswertes zu Flora und Fauna sowie kulturellen Hintergründen des Naturparks. Wo andere sich erholen, hat Carolin Pfaff seit zwei Jahren ihren Arbeitsplatz. Aber nicht nur. Für die gebürtige Königsteinerin war immer klar, dass sie nach ihrem Studium in den Taunus zurückkehren möchte: „Man liebt seine Heimat eben.“ Auch und gerade dann, wenn sie Weiß trägt. Der Naturpark Taunus umfasst ein knapp 1350 Quadratkilometer großes Gebiet, das sich über den Hochtaunuskreis, den Main-Taunus-Kreis, den Wetterauskreis, den Lahn-Dill-Kreis, den Landkreis Limburg-Weilburg sowie den Landkreis Gießen erstreckt. Es gibt über 200 Wanderwege mit einer Gesamtlänge von mehr als 1200 Kilometern. Regelmäßig werden geführte Wandertouren angeboten.
 
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